KVV-Archiv Bad Honnef

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Das heimatkundliche KVV-Archiv des Kur- und Verkehrsverein Bad Honnef e.V. befindet sich derzeit im Aufbau.



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Erbohrung der Grafenwerther Quelle
Foto: Archivbild der Bad Honnef AG
Die Honnefer Mineralquellen

Es gibt in Bad Honnef drei Mineralquellen. Die zuerst erbohrte, die Drachenquelle, befindet sich in Privatbesitz und dient der Herstellung von Mineralwasser. Die beiden anderen, die Grafenwerther und die Edelhoff-Quelle stehen für medizinische Nutzung zur Verfügung. Eigentümer beider Quellen ist die Stadt Bad Honnef.

Die Grafenwerther Quelle liegt auf der Rheininsel Grafenwerth im Bereich des Schwimmbades. Sie hat dort bis zum Jahre 1985 ein Mineralwasser-Schwimmbecken gespeist. Das Becken wurde geschlossen, da ohne Aufbereitungsanlage die verschärften Hygienevorschriften des Landeswassergesetzes nicht einzuhalten waren. Die Einschaltung einer Wasseraufbereitungsanlage hätte dem Wasser einen seiner wesentlichen Bestandteile genommen, nämlich die Kohlensäure.

Die Edelhoff-Quelle liegt auf dem Gelände der heutigen Parkresidenz. Das Wasser wurde ebenfalls zur Füllung von Schwimmbädern benutzt, z.B. für das bis 1984 auch öffentlich zugängliche Mineral-Thermal-Schwimmbad im heutigen Seminaris-Hotel bzw. das Schwimmbecken der damaligen Drachenfels-Kilinik. Beide Quellen sind durch ein Rohrnetz verbunden, das im wesentlichen entlang der Alexander-von-Humbold-Straße durch die Stadt verläuft. Das Rohrnetz speist den Trinkbrunnen in der Trinkhalle des Kurgartens und das Thermal-Schwimmbecken im Kurmittelzentrum. Obwohl eine intensive Nutzung des Quellwassers derzeit nicht erfolgt, werden die technischen Anlagen der Quellen durch die Bad Honnef AG betriebsbereit gehalten.

Die Quellen haben eine Ergiebigkeit von 8 (Edelhoff-Quelle) bzw. 15 (Grafenwerther Quelle) cbm pro Stunde. Pro Tag liefern beide Quellen zusammen etwa 550 cbm Mineralwasser, das entspricht dem Inhalt des großen Beckens des Honnefer Hallenschwimmbades. Die Abnahme beträgt derzeit jedoch nur einige cbm pro Tag. Einziger Abnehmer ist das Kurmittelzentrum in der Luisenstraße. Die Grafenwerther Quelle hatte ursprünglich eine Tiefe von 700 m. Da bei ihrer Erbohrung in den Jahren 1936/37 zur Vermantelung normaler Stahl verwendet wurde, korrodierte das Mantelrohr mit der Folge, daß etwa Ende der vierziger Jahre beginnend zunehmend Süßwasser, aus oberflächennahen Schichten in das Rohr einsickerte und die Qualität des Mineralwassers minderte. Daher wurde im Jahre 1975 im oberen Teil der Quelle eine neue Verrohrung eingezogen und nach außen mit einem Zementrnantel umgeben. Bei diesen Arbeiten füllten sich durch einen Fehler der ausführenden Firma die unteren Rohrabschnitte mit herabfallendem Material, so daß die effektive Bohrlochtiefe nur noch etwa 500 m beträgt. Auf eine Reinigung der unteren Rohrabschnitte wurde verzichtet. Die Wasserqualität entspricht seit dieser Reparatur im wesentlichen dem ursprünglichen Zustand. Das Wasser wird mit einer Pumpe, die etwa 90 m abgesenkt ist, an die Oberfläche gepumpt und strömt dort mit einer Temperatur von 19,5° C aus. Das austretende Wasser ist farblos, klar und leicht perlend. Infolge eines hohen Anteils an gelöstem zweiwertigen Eisen setzt im Verlauf einiger Tage an der Luft die Ausscheidung eines rostbraunen Niederschlages ein. Der Geschmack ist deutlich säuerlich, dabei merklich salzig und stark mineralisch. Die Untersuchung der chemischen Zusammensefzung wurde letztmalig 1975 vom Institut Fresenius, Taunusstein und von Prof. Thofern, Bonn, durchgeführt. Die Ergebnisse sind inder Tabelle zu sammengestellt. Hier sei jedoch das Wichtigste hervorgehoben: Der Gesamt-Mineraliengehalt des Wassers liegt mit 6522 mg pro kg im Vergleich mit anderen deutschen Mineralwässern relativ hoch z.B. Wildungen 5087 mg. Medizinisch wichtig sind dabei die hohen Anteile an Natrium-Lhydrogencarbonat, sowie der hohe Magnesiumgehalt. Ferner enthäh das Wasser 1518 mg gelöstes freies Kohlendioxid, welches bei Entspannung oder Erwärmung als Gasbiasen freigesetzt wird. Das entspricht in etwa einem Volumen von 35 ccm pro Liter Wasser. Zur Vielfalt der Inhaltsstoffe ist letztendlich auch der deutliche Kochsalzanteil zu zählen, der dem Wasser eine zusätzliche Therapienuance verleiht. Schon 1939 heißt es in einem Gutachten des Städtischen Forschungsinstituts für Bäderkunde und Stoffwechsel, Wiesbaden‚ im Hinblick auf die Vielfalt und Konzentration der Inhaltsstoffe des Grafenwerther Wassers: „Die Tatsache, daß die Quelle die chemischen Eigenschaften und damit auch die physiologischen Wirkungsweisen so vieler verschiedener Mineralwassertypen in sich vereinigt und zahlreiche therapeutisch wertvolle Bestandteile in bemerkenswert hoher Konzentration und einem innerhalb Deutschlands sonst nicht wieder vorkommenden Mengenverhältnis aufweist, verleiht der Quelle von Grafenwerth eine einzigartige Stellung unter den deutschen Heilwässern und eröffnet ihr ein außerordentlich vielseitiges Anwendungsgebiet in ärztlicher Hinsicht.“ Die 1975 durchgeführten bakteriologischen Untersuchungen stellten einwandfrei keimfreies Wasser fest. Gegenwärtig ist diese Untersuchung in regelmäßigen Abständen gesetzlich vorgeschrieben. Die Ergebnisse entsprechen weiterhin den Anforderungen. Im Zuge der Verschärfung der Bestimmungen wurde in den 80er Jahren vorgeschrieben, daß Mineraiwässer der Trinkwasserverordnung entsprechen müssen. Die im Jahre 1986 gemäß § 3 dieser Verordnung vorgenommene Überprüfung auf Schwermetalle, Nitrate, Kolilenwasserstoffe und chlorierte Kohlenwasserstoffe ergab auch in dieser Beziehung einwandfreie Qualität. Die fachliche Kennzeichnung des Wassers lautet: Eisenhaltiger, Natrium-Magnesium Hydrogencarbonat-Chlorid-Säuerling.

Die Edelhoff-Quelle wurde in den Jahren 1967/68 erbohrt und 1973 durch das Balneologische Institut Lippspringe untersucht und charakterisiert. Die Ergebnisse der chemischen Analyse sind ebenfalls der Tabelle zu entnehmen. Auch dieses Wasser tritt farblos und klar aus der Quelle aus. Wie beim Grafenwerther Wasser scheidet sich auch hier das gelöste Eisen beim Stehen an der Luft aus. Das Wasser riecht säuerlich und leicht nach Schwefelwasserstoff. Der Geschmack ist salzig, mineralisch und etwas metallisch. Da das Wasser mit 24°C (1976) aus dem Boden kommt, ist es nach den geltenden Bestimmungen ein Thermaiwasser. Folgende Punkte sind besonders hervorzuheben: Die Gesamtinhaltsstoffe sind etwa 10 % höher als bei der Grafenwerther Quelle. Die Struktur der Inhaltsstoffe zeigt jedoch, daß es sich im wesentlichen um das gleiche Wasser handelt. Die Edelhoff-Quelle ist jedoch ärmer an Eisen, was die Aufbereitung des Wassers vereinfacht. Auch für diese Quelle waren die bakteriologischen Untersuchungen sowie die Überprüfung auf Schwermetalle, Nitrate und Kohlenwasserstoffe einwandfrei. Alle Aussagen, die schon über die Grafenwerther Quelle gemacht wurden, sind auf die Edelhoff-Quelle übertragbar. Das gilt in gleicher Weise auch für die im folgenden Kapitel erörterten medizinischen Aussagen. Das oben genannte Institut sagt abschließend in seinem Gutachten über die Edelhoff-Quelle: Nach dem Landeswassergesetz (LWG) des Landes Nordrhein-Westfalen, § 26, handelt es sich bei der Quelle Edelhoffstift in Bad Honnef um eine Heilquelle, die künstlich erschlossen wurde, und die aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung ihrer physikalischen Eigenschaften und nach den Erfahrungen geeignet ist, Heilzwecken zu dienen. Es wird empfohlen, sie zum Wohle der Allgemeinheit zu erhalten.

Die Zusammensetzung der Quellen:

Inhaltsstoffe Grafenwerth
Magnesium 253 mg / Liter
Kalzium 111 mg / Liter
Eisen 16,7 mg / Liter
Natrium 1415 mg / Liter
Kalium 37,8 mg / Liter
Hydrogencarboflat 3430 mg / Liter
Sulfat 276 mg / Liter
Chlorid 978 mg / Liter
Kohlensäure 1518 mg / Liter
Kieselsäure 32,1 mg / Liter
Gesamtinhaltsstoffe 8072 mg / Liter
pH-Wert 6,0
Bakteriologische Beurteilung ohne Befund
Bestimmungsjahr 1975

Inhaltsstoffe Edelhoff
Magnesium 327 mg / Liter
Kalzium 195 mg / Liter
Eisen 4,5 mg / Liter
Natrium 1520 mg / Liter
Kalium 35,4 mg / Liter
Hydrogencarboflat 3671 mg / Liter
Sulfat 371 mg / Liter
Chlorid 1280 mg / Liter
Kohlensäure 1428 mg / Liter
Kieselsäure 34,6 mg / Liter
Gesamtinhaltsstoffe 8875 mg / Liter
pH-Wert 6,6
Bakteriologische Beurteilung ohne Befund
Bestimmungsjahr 1973

Beitrag von Dr. Erich Laack (KVV-Vereinsschrift 1991)


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KVV-Schrift 1991